Hier schmeckt's dem Papst

28. Juli 2009 | von

 Nur ein paar Minuten von der Autobahn entfernt und trotzdem in geradezu himmlische Sphären entrückt, liegt der Gasthof des Minoritenklosters Maria Eck. Auf 900 Metern Höhe kann hier der Gast, sei er nun als Pilger zur Wallfahrtskirche unterwegs oder als Reisender rastend, über dem Chiemsee schwebend schlemmen. Für den leiblichen Genuss samt Augenschmaus – die Dekoration ist prächtig – sorgen seit 25 Jahren Bruder Erich und sein Team.



 Wenn der Pilger mit dem Auto oder zu Fuß die stark ansteigende Straße von der Ortschaft Siegsdorf zum oberbayerischen Wallfahrtsort Maria Eck hinauffährt oder -wandert, fällt sein Blick – oben auf knapp 900 Höhenmetern angekommen – zunächst nicht auf Kirche oder Kloster der Franziskaner-Minoriten, sondern auf den dazwischen liegenden Klostergasthof. Kehrt der Tourist oder Wallfahrer dort nach oder gar vor dem Besuch der Kirche ein, wird er von Bruder Erich freundlich begrüßt. Denn Bruder Erich ist seit Dezember 1974 Leiter des zur Deutschen Franziskaner-Minoriten-Provinz gehörenden

Klostergasthofs Maria Eck.



„Als ich damals kurz nach meiner Versetzung im August 1974 die Leitung der Gaststätte übernehmen sollte, standen in zwei Gaststuben etwa zehn Tische für maximal 30 Personen", erinnert sich der Klosterwirt. „Die Wände waren in fünf verschiedenen Blautönen gestrichen. So konnte es nicht weitergehen!" Und so packte Bruder Erich in Etappen den Umbau an, anfangs mit großzügiger Hilfe der Barmherzigen Schwestern von Adelholzen; die letzte bauliche Veränderung geschah erst nach dem Jahr 2000.



Liebevoller Service



Zunächst verlegte Bruder Erich die Konditorei, die stets selbstgebackenen Kuchen anbietet, näher in den Eingangsbereich, so dass die Besucher von der heutigen Antoniusstube aus einen unverstellten, wunderbaren Blick über den Chiemsee haben. Nach dem Bau einer Freiluftterrasse, die später aufgrund der teilweise unbeständigen Wetterverhältnisse überdacht wurde und nun auch im Winter genutzt werden kann, kamen eine weitere Terrasse vor dem Haus, Ludwigstube, Sebastianraum, Josefsraum und Leonardoraum hinzu. Die Fundamente des Letztgenannten ragen 37 Meter bis in den tiefen Fels, als Schutz bei einem möglichen Wegrutschen des Hangs – eine beinahe unvorstellbare Baumaßnahme.



Heute kann der Gasthof etwa 450 Hungrige gleichzeitig in der ersten Belegung sättigen. Vor allem an hohen Feiertagen haben daher Bruder Erich, der Geschäftsführer Josef Steiner und die zahlreichen Köche, Kellner und weiteren Mitarbeiter alle Hände voll zu tun. „Dennoch werden wir aufmerksam und zuvorkommend bedient", schwärmen die Gäste. Viele von ihnen sind Stammgäste, die regelmäßig zum Mittagessen auf dem Maria Ecker Berg einkehren. Gleichwohl bewundern sie immer wieder die aufwendigen Dekorationen in den gemütlich eingerichteten Gaststuben. Prächtige Blumengestecke und -girlanden bilden die Frühlings- und Sommerdekoration, zur Weihnachtszeit schmückt Bruder Erich mit Hilfe drei Christbäume und stellt die etwa acht Meter lange und weit im Chiemgau bekannte Weihnachtskrippe auf – eine Aufgabe, die ihn mehrere Tage beschäftigt.



Von Prominenten goutiert



Neben der guten Küche faszinieren und begeistern diese Dekorationen auch die Prominenz aus Kultur, Fernsehen, Politik und Kirche. Das Küchenteam bekochte in den letzten Jahren unter anderem den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., den 2008 verstorbenen Patriarchen von Moskau, Alexius II., und – Kardinal Joseph Ratzinger. „Der kann heute leider nicht mehr kommen", sagt Josef Steiner. Deshalb erhielt das Küchenteam von Kardinal Friedrich Wetter den Auftrag, bei der Pastoralreise von Papst Benedikt XVI. durch Bayern vor drei Jahren in München die Töpfe anzuheizen. „Schon Papst Johannes Paul II. haben wir bekocht", fügt Steiner schnell hinzu. „Aber auch dem jetzigen Heiligen Vater hat es sehr geschmeckt." Sowohl die Fotos von dieser für alle Beteiligten beeindruckenden Begegnung als auch ein großformatiges Schreiben, auf dem der Heilige Vater „allen Mitarbeitern, sowie Pilgern und Gästen von ganzem Herzen seinen besonderen Apostolischen Segen" erteilt, hängen dezent und gerahmt in der Ludwigstube.



Wer sich mit einem guten Mittagessen, selbst gemachtem Schokoladen-, Vanille-, Erdbeer- oder Joghurteis und dem begehrten Klosterlikör der Benediktinerinnen der Abtei Frauenwörth auf der Fraueninsel im Chiemsee nicht abspeisen lässt, bleibt in den gut ausgestatteten Gästezimmern ein paar Tage länger. „Die Übernachtungsgäste schätzen die Ruhe hier oben und den Ausblick auf beinahe den gesamten Chiemgau", erklärt Bruder Erich. Das wusste auch schon Kardinal Ratzinger, der regelmäßig in Maria Eck seine Koffer auspackte.



Nothelfer Antonius



„Inzwischen ist der Gasthof mein Leben", resümiert der Klosterwirt. „Und vieles wäre nicht möglich gewesen ohne die Hilfe des heiligen Antonius. Der heilige Antonius ist unser besonderer Helfer in jeglicher Not. Der ganze Gasthof ist Antonius sehr verbunden." Deshalb ist eine der Gaststuben nicht nur nach dem Heiligen aus Padua benannt, eine Antoniusfigur an prominentem Platz ziert sogar den Raum. Sie ist ein Geschenk und grüßt nun bereits seit über 30 Jahren die eintretenden Gäste. Nicht wenige machen sich nach der ausgiebigen Stärkung im Klostergasthof Maria Eck dann noch auf den Weg zur frisch renovierten Antoniuskapelle des Klosters – um danach zum Kaffeetrinken wieder im Gasthof zu sein.



 

Zuletzt aktualisiert: 06. Oktober 2016