Mit Antonius in der Romagna
Erkunden Sie mit unserem Autor den im vergangenen Herbst eingeweihten Abschnitt zwischen Montepaolo, Forlì und Rimini auf dem Antonius-Weg, dem Cammino di Sant’Antonio.
Es steht außer Frage: Es ist unmöglich, mit der für den hl. Antonius so symbolträchtigen Strecke Camposampiero-Padua zu konkurrieren, die auf einer Länge von gerade einmal 23 Kilometern drei für die Geschichte von Br. Antonius grundlegende Orte vereint, nämlich Camposampiero, wo dem hl. Antonius in einer Vision das Jesuskind erschienen war und wo sich der Nussbaum befand, auf den sich Antonius in der letzten Phase seines Lebens zurückgezogen hatte, dann Arcella, wo er auf dem Weg von Camposampiero nach Padua gestorben ist, und natürlich die Antonius-Basilika in Padua. Aber auch der neue Abschnitt des „Antonius-Weges“ Montepaolo-Forlì-Rimini, der im vergangenen Herbst eingeweiht wurde, verbindet unter dem Patronat des beliebten Heiligen weitere wichtige Orte miteinander, die historisch durch seine Anwesenheit geprägt wurden.
Im Dienst des Evangeliums
Rimini ist die Stadt, in der sich die zwei wichtigsten Wunder ereignet haben, die Fischpredigt und das Wunder des Maultiers des Ketzers, das aus Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten auf die Knie gefallen ist. Die Mission der Evangelisierung des jungen Bruders aus Portugal in der Region Romagna war durch das möglich geworden, was im September 1222 in Forlì geschehen war – die berühmte und „improvisierte“ erste öffentliche Predigt des hl. Antonius im Dom anlässlich einer Priesterweihe. In derselben Gegend liegt im Hinterland der Hauptstadt der Region die Einsiedelei Montepaolo, wo Antonius nach seiner abenteuerlichen Ankunft in Sizilien und der Begegnung mit Franz von Assisi beim „Mattenkapitel“ im Jahr 1221 über ein Jahr lang lebte.
Franziskanisch und bleibend aktuell
Im 800. Jubiläumsjahr dieser Ereignisse, beginnend im Sommer 2021 und unter der Schirmherrschaft des Projekts „Antonio 20-22“, das von den Franziskaner-Minoriten von Norditalien initiiert wurde, wurde eine Reliquie des hl. Antonius mit einer Pilgerwanderung zu Fuß von Montepaolo nach Rimini gebracht, wobei die Pilgerinnen und Pilger unterwegs in und mit den am Weg liegenden Gemeinden gebetet haben. Der große Erfolg der Initiative, die den Auftakt zu den 1.800 Kilometern langen Feierlichkeiten von Capo Milazzo (Messina, Sizilien) nach Padua im folgenden Sommer bildete – hatte den Wunsch geweckt, die Strecke Montepaolo-Forlì-Rimini (in fünf Etappen) für alle zugänglich zu machen, auch auf eigene Faust, allein oder in Gemeinschaft, auf den Spuren des hl. Antonius durch die sanfte Hügellandschaft der Romagna.
Ein weiterer Aspekt ist, dass der „Cammino di Sant’Antonio“ in Richtung Padua die beiden franziskanisch-antonianischen Einsiedeleien La Verna und Montepaolo verbindet. La Verna ist zudem auch von Rimini aus über den „Cammino di San Francesco“ erreichbar: Der neue Abschnitt des „Cammino di Sant’Antonio“ schließt somit den Kreis (der eher ein Dreieck ist) im Namen von Franziskus und Antonius …
Gute Wegbeschreibungen
Seit Oktober 2025 ist dieser neue Abschnitt offiziell: Er wurde auf einer Landkarte und vor Ort markiert, in beiden Richtungen ausgeschildert (braune Pfeile mit der Aufschrift „Padua“ in Richtung Forlì-Montepaolo, hellblaue Pfeile in Richtung Rimini). Aktualisierte Routenbeschreibungen können kostenlos auf der Website Ilcamminodisantantonio.org heruntergeladen werden. Dort finden sich auch Etappenbeschreibungen, topografische und logistische Hinweise, Übernachtungsmöglichkeiten sowie Informationen zu den wichtigsten kulturellen und spirituellen Sehenswürdigkeiten (viele davon franziskanisch!) entlang der Route. Um dieses Ziel zu erreichen, war die Zusammenarbeit der beiden oben beschriebenen Wege mit den örtlichen Vereinigungen, vor allem mit den Sektionen aus Forlì und Rimini der Umwelt- und Naturorganisation „L’Umana Dimora“ und den Organisatoren der „I Cammini di Francesco in Emilia-Romagna APS“ (Franziskuswege in der Emilia-Romagna), ausschlaggebend.
Wunderschöne Pilgeretappen
Die Strecke Forlì-Rimini scheint alle Voraussetzungen zu haben, um sich gut zu etablieren und Pilgern und Wanderern einen interessanten, abwechslungsreichen und unter vielen Aspekten – religiösen, landschaftlichen und kulturellen – angenehmen Abschnitt zu bieten. Die Höhenprofile der Hügel, die zur Adria hin abflachen, weisen sanfte Steigungen auf, die selbst bei mehreren aufeinanderfolgenden Hügelüberquerungen selten anstrengend sind: Der „Gipfel“, also der höchste Punkt des Weges, ist dabei der Montepaolo mit seinen 425 Metern über dem Meeresspiegel. Die Strecke ist das ganze Jahr über begehbar, wobei man bei sommerlicher Hitze jedoch Vorsicht walten lassen sollte. Auch die Kilometerzahl ist nicht übermäßig hoch: Die etwas anstrengendere Etappe ist die 25 Kilometer lange Strecke von Bertinoro nach Longiano, während die kürzeste die Etappe in Richtung Meer ist, nämlich Longiano–Santarcangelo di Romagna mit nur elf Kilometern. Das sind die drei wunderschönen Etappenorte, zu denen noch die berühmten historischen Stadtkerne von Rimini und Forlì sowie der von Cesena hinzukommen, durch den der Weg zwar führt, ohne dort jedoch Halt zu machen. Weitere nennenswerte Orte entlang der Strecke sind, vom Montepaolo kommend, Castrocaro Terme und Terra del Sole.
Franziskanische Präsenz
Von großer Bedeutung ist auch die Präsenz der Franziskaner und Klarissen. Entlang der Route gibt es sogar drei Klarissen-Gemeinschaften: in der Einsiedelei von Montepaolo, in Bertinoro und in Rimini. Die Minoriten sind in Longiano ansässig, die Kapuziner in Santarcangelo di Romagna; auch im Wallfahrtsort Santa Maria delle Grazie unweit von Rimini, der vor kurzem von den Minoriten verlassen wurde, dreht sich alles um den hl. Franziskus; und auch die Paulaner, die die Kirche Sant’Antonio auf dem zentralen Platz von Rimini betreuen, vertreten eine Spiritualität, die dem franziskanischen Umfeld nahesteht.
Gemeinsam unterwegs
In den letzten Monaten gab es Berichte über mehrere Pilgerinnen und Pilger, die auf eigene Faust diesen Abschnitt des „Weges des hl. Antonius“ gewandert sind. Neben dieser Eigeninitiative wurden nach den Eröffnungswanderungen im vergangenen Oktober und November im Frühjahr einige eintägige Pilgerwanderungen organisiert, die nach vorheriger Anmeldung für alle offen waren. Der Titel der Initiative, die von den Franziskaner-Minoriten in Longiano ins Leben gerufen wurde, lautet „Von den Apenninen zum Meer mit dem hl. Antonius“. Sie wird im Herbst wiederholt, wobei am Samstag, dem 17. Oktober, die Etappe Longiano–Rimini und am Samstag, dem 7. November, die Etappe Forlì–Montepaolo zurückgelegt wird. Informationen und Anmeldemöglichkeiten sind auf der entsprechenden Webseite zu finden: Ilcamminodisantantonio.org.