Mit Franziskus Frieden suchen

09. März 2026 | von

Das Jahr 2026 ist der Erinnerung an den hl. Franziskus gewidmet. Papst Leo XIV. hat jüngst seine Bedeutung auch für unsere Zeit betont.

Die Franziskanische Familie ist das Feiern gewohnt. Viele große Jubiläen konnten in den letzten Jahren gefeiert werden: 2023 wurde an die Krippenfeier zu Greccio vor 800 Jahren gedacht, im Jahr darauf wurde an die Stigmatisation des hl. Franziskus erinnert, 2025 schließlich an die Entstehung des Sonnengesangs. Die dicht aufeinander folgenden Jubiläen kommen in diesem Jahr zu einem (vorläufigen) Abschluss. Am 3. Oktober 2026 wird die franziskanische Ordensfamilie an den 800. Todestag ihres Gründers erinnern. Überall auf der Welt gibt es im Blick darauf im Verlauf des gesamten Jahres Feierlichkeiten, Symposien, Festgottesdienste – und auch Papst Leo XIV. hat sich mit einem Schreiben zu Wort gemeldet:

„Unsere Schwester Tod“, rief der hl. Franziskus am 3. Oktober 1226 in Portiuncula aus, als er dem Tod wie ein am Ende versöhnter Mensch entgegen ging. Acht Jahrhunderte sind vergangen seit dem Tod des Poverello von Assisi, der das Wort von der Erlösung durch Christus eindringlich in die Herzen der Menschen seiner Zeit eingeschrieben hat.
In Erinnerung an den bedeutenden Jahrestag seines 800. Todestages, des Transitus, möchte ich mich geistig mit der gesamten Franziskanischen Familie vereinen sowie mit allen, die an den Gedenkfeierlichkeiten teilnehmen, und hoffe, dass die Botschaft des Friedens tiefen Widerhall findet in der Kirche und der Gesellschaft von heute.
Zu Beginn seines evangelischen Lebens hatte er einen Ruf vernommen: „Der Herr offenbarte mir, dass wir diesen Gruß sagen sollten: ‚Der Herr gebe dir Frieden!‘“ (vgl. Testament 23) Mit diesen wesentlichen Worten vermittelt er seinen Brüdern und jedem Gläubigen das innere Erstaunen, welches das Evangelium in sein Leben gebracht hatte: Der Friede ist die Summe aller Güter Gottes, ein Geschenk, das von oben herabkommt. Wie illusorisch wäre es zu glauben, man könne ihn allein mit menschlichen Kräften aufbauen! Und doch ist er ein aktives Geschenk, das es jeden Tag anzunehmen und zu leben gilt. (…) In dieser Zeit, die von vielen Kriegen geprägt ist, die kein Ende zu nehmen scheinen, von inneren und sozialen Spaltungen, die Misstrauen und Angst schaffen, spricht er weiterhin. Nicht weil er technische Lösungen anbietet, sondern weil sein Leben auf die wahre Quelle des Friedens verweist.
Die franziskanische Vision des Friedens beschränkt sich nicht auf die Beziehungen zwischen den Menschen, sondern umfasst die gesamte Schöpfung. Franziskus, der die Sonne „Bruder“ und den Mond „Schwester“ nennt, der in jedem Geschöpf ein Spiegelbild der göttlichen Schönheit erkennt, erinnert uns daran, dass der Friede sich auf die gesamte Familie der Schöpfung erstrecken muss. Diese Erkenntnis ist in unserer Zeit, in der unser gemeinsames Haus bedroht ist und unter Ausbeutung leidet, von besonderer Dringlichkeit. Der Friede mit Gott, der Friede unter den Menschen und mit der Schöpfung sind untrennbare Dimensionen eines einzigen Aufrufs zur universellen Versöhnung.
Liebe Brüder und Schwestern, möge das Beispiel und das geistliche Erbe dieses Heiligen, der stark im Glauben, fest in der Hoffnung und brennend in der tätigen Nächstenliebe war, in allen die Bedeutung wecken, auf den Herrn zu vertrauen, sich für ein Leben im Einklang mit dem Evangelium einzusetzen, alle Umstände und Handlungen des Lebens mit Glauben und Gebet anzunehmen und zu erleuchten.
In diesem Jahr der Gnade möchte ich Euch ein Gebet mitgeben, damit der hl. Franz von Assisi weiterhin in uns allen vollkommene Freude und Eintracht schenkt:

Heiliger Franziskus, unser Bruder, du, der du vor 800 Jahren wie ein versöhnter Mensch der Schwester Tod entgegen gegangen bist, tritt ein für uns beim Herrn. Du hast im Gekreuzigten von San Damiano den wahren Frieden erkannt, lehre uns, in ihm die Quelle jeder Versöhnung zu suchen, die jegliche Mauer niederreißt. Du, der du unbewaffnet die Grenzen des Krieges und des Unverständnisses überschritten hast, gib uns den Mut, Brücken zu bauen, wo die Welt Grenzen errichtet. In dieser von Konflikten und Spaltungen geprägten Zeit, tritt für uns ein, damit wir Stifter des Friedens werden: unbewaffnete und entwaffnende Zeugen des Friedens, der von Christus kommt. Amen.

Mit diesen Gefühlen wünsche ich von Herzen alles Gute, besonders Euch allen, die Ihr dem Charisma des Poverello von Assisi folgt, und allen, die auf verschiedene Weise sich an den Jahrestag seines dies natalis erinnern, und erteile Euch von Herzen den gewünschten Apostolischen Segen.

Ablass im Jubiläumsjahr
Papst Leo hat beschlossen, „dass vom 10. Januar 2026, zeitgleich mit dem Abschluss des Ordentlichen Heiligen Jahres, bis zum 10. Januar 2027 ein besonderes Jahr des hl. Franziskus ausgerufen wird, in dem jeder gläubige Christ nach dem Vorbild des Heiligen von Assisi selbst zum Vorbild für ein heiliges Leben und zum ständigen Zeugen des Friedens wird.“ Dazu hat der Bischof von Rom einen Ablass gewährt, und zwar jenen, „die mit von Sünde befreitem Herzen am Jahr des hl. Franziskus teilnehmen, indem sie in Form einer Pilgerreise eine franziskanische Klosterkirche oder einen Erinnerungsort in irgendeinem Teil der Welt besuchen, der dem hl. Franziskus geweiht oder aus irgendeinem Grund mit ihm verbunden ist, und dort andächtig den Jubiläumsriten folgen oder zumindest eine angemessene Zeit in frommer Meditation verbringen und zu Gott beten“. In ihnen sollen nach dem Vorbild des hl. Franziskus „Gefühle christlicher Nächstenliebe und aufrichtige Wünsche nach Eintracht und Frieden unter den Völkern entstehen“. Vervollständigt wird der Ablass wie üblich mit Vaterunser, Glaubensbekenntnis, sowie Anrufungen an die Gottesmutter Maria, den hl. Franziskus, die hl. Klara und die Heiligen der franziskanischen Familie. 
Ältere Menschen, Kranke und diejenigen, die sich um sie kümmern, sowie alle, die aus schwerwiegenden Gründen ihr Zuhause nicht verlassen können, „können ebenfalls den vollkommenen Ablass erlangen, vorausgesetzt, sie lösen sich von jeder Sünde und beabsichtigen, die drei üblichen Bedingungen so bald wie möglich zu erfüllen, wenn sie sich geistig den Jubiläumsfeierlichkeiten des Jahres des hl. Franziskus anschließen und dem barmherzigen Gott ihre Gebete, ihre Schmerzen und Leiden ihres Lebens darbringen.“

Zuletzt aktualisiert: 09. März 2026
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