Santo subito!

26. April 2011 | von

Als Papst Johannes Paul II. vor sechs Jahren starb, forderten Gläubige, ihn sofort heilig zu sprechen. Davor steht normalerweise ein oft langwieriges Verfahren der Seligsprechung. Der Prozess wurde von Benedikt XVI. beschleunigt und konnte in Rekordzeit abgeschlossen werden. Am 1. Mai ist die feierliche Zeremonie, mit der das besonders vorbildliche christliche Leben Karol Wojtyłas gewürdigt wird.



Was viele Gläubige bereits bei seiner Beisetzung auf großen Transparenten und in Sprechchören forderten und in den folgenden Monaten stets wiederholten, wird nun erfüllt. Das „sofort“ in der italienischen Parole „santo subito“ dauerte nur sechs Jahre – Rekordzeit. Am 1. Mai, am von ihm eingeführten Barmherzigkeitssonntag, wird Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz in Rom von seinem Nachfolger Benedikt XVI. seliggesprochen.

Das Pontifikat Papst Johannes Pauls II. war außergewöhnlich und der Weg bis dorthin ebenso. Der am 18. Mai 1920 geborene Pole Karol Józef Wojtyła studierte an der Universität Krakau Philosophie und Theologie. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, der Schließung der Universität durch die deutsche Besatzungsmacht und der Verhaftung von rund 180 Professoren konnte Wojtyła seine Studien nur im Untergrund fortsetzen. Auch das Priesterseminar der Erzdiözese Krakau, in das er 1942 eintrat, war ein geheimes. Nach der 1946 im Unter-

grund gespendeten Priesterweihe promovierte er zunächst in Philosophie und Theologie, später habilitierte er sich an der Katholischen Universität Lublin über den deutschen Philosophen und Soziologen Max Scheler. Jahre danach wird er über Scheler sagen, dass ihm seine Beschäftigung mit dessen philosophischer Denkrichtung des Personalismus sehr hilfreich sei bei seinen vielen Begegnungen mit Menschen in Privataudienzen oder bei seinen apostolischen Reisen.

Und derer gab es viele: In seinem über 26 Jahre dauernden Pontifikat (1978-2005), dem zweitlängsten der Geschichte, unternahm der bisher einzige slawische Papst 104 Auslandsreisen. Deutschen Boden küsste er erstmals 1980 und zeigte sich anders, als man es bisher vom Oberhaupt der katholischen Kirche gewohnt war: offen, volksnah, kraftvoll, gesprächsbereit. Bereits in seiner ersten von etwa 30 Ansprachen in diesen Tagen am Flughafen Köln-Bonn leistete er einen gewaltigen Schub für die Ökumene und erwähnte, dass ihm die Begegnung mit den evangelischen Christen ein großes Anliegen sei: „Möge hier, wo die Reformation ihren Anfang nahm, auch das Bemühen sich verdoppeln, in Treue zum einzigen Herrn der Kirche und seiner Botschaft alles Menschenmögliche zu tun, damit sein Herzenswunsch und sein Gebet sich erfüllen: ‚Lass alle eins sein’ (Joh 17,21).“



Herzensanliegen Frieden

Dass bei seinen beiden weiteren Besuchen in Deutschland 1987 und 1996 wiederholt Treffen mit Vertretern der evangelischen Kirchen auf dem Programm standen, war schon beinahe selbstverständlich geworden. Doch der Besuch im wiedervereinten Deutschland 1996 hatte historischen Charakter: Sowohl von kirchlicher, durch Karl Kardinal Lehmann, als auch von politischer Seite, durch Bundespräsident Roman Herzog, wird Johannes Paul II. ausdrücklich gedankt für seine aktive Rolle beim Fall der Mauer und des Kommunismus und bei der Wiedervereinigung Deutschlands. Das Bild des Hand in Hand mit dem Papst durch das Brandenburger Tor schreitenden Bundeskanzlers Helmut Kohl wird den Menschen und in den Geschichtsbüchern präsent bleiben. Doch schon warnte der Pontifex vor den nächsten Gefahren der modernen Welt: Individualismus, Kapitalismus, Profitstreben. Sein Leben lang wiederholte er die immer gleichen Botschaften, die ihm mehr als ein Herzensanliegen waren. Johannes Paul II. war es auch, der 1986 erstmals zum Weltgebetstreffen für den Frieden nach Assisi einlud. Alle Religionen beteten in ihrer je eigenen Tradition um den Frieden in der Welt. Wahrscheinlich gibt es keinen Heiligen, dem der bald selige Papst nicht eine Katechese bei der Mittwochsaudienz widmete oder den er nicht wenigstens in einer Ansprache oder Predigt zitierte. Auch der heilige Antonius darf zu dieser Reihe gezählt werden.



Papst lobt Sendboten

Am 2. September 1982 besuchte Johannes Paul II. Padua und feierte eine heilige Messe in der Basilika, wo er das Lebenswerk des Antonius lobte, dessen Früchte bis heute kraftvoll und wirksam fortdauerten.

„Antonius war in seinem ganzen Erdendasein ein Mann des Evangeliums. … Sein freundliches Bildnis mit dem milden Lächeln erhellt Millionen christlicher Häuser, in denen der Glaube durch ihn die Hoffnung auf die Vorsehung des himmlischen Vaters nährt. Vor allem die Ärmsten und schutzlosesten Gläubigen betrachten und empfinden ihn als ihren Heiligen: als stets bereiten und mächtigen Fürsprecher zu ihren Gunsten.“

Zum 100. Geburtstag der vorliegenden Zeitschrift „Sendbote des heiligen Antonius“ machte der Papst 1998 ein besonderes Geschenk. Im Vatikan empfing er neben zahlreichen Ordensbrüdern und Journalisten des Sendboten auch etwa 600 Angestellte und Freunde der Antonianischen Familie. Er hob den besonderen Stil der Zeitschrift hervor, die eine faszinierende Sprache mit dem Zeugnis einer tätigen Caritas verbinde: „Im Laufe der Zeit vergrößerte sich das Hilfswerk zur heutigen Caritas Antoniana. Sie engagiert sich erfolgreich auf allen Kontinenten. Auf diese Weise erhalten die vom Leben Benachteiligten den Balsam mitmenschlicher Fürsorge.“

Und für diesen Balsam der mitmenschlichen Fürsorge warb Papst Johannes Paul II. sein Leben lang. „Santo subito.“ 

Zuletzt aktualisiert: 06. Oktober 2016