„Singen ist wie zweimal beten“

24. Mai 2010 | von

Das Jahr des Priesters lenkt unseren Blick auf den Einsatz der etwa 400.000 katholischen Priester, die weltweit aktiv sind. Drei von ihnen machen gerade auf musikalische Weise von sich reden. Die nordirischen Brüder Martin und Eugene O’Hagan und ihr Freund David Delargy haben mit ihrer ersten CD die Charts gestürmt und einen Guinessbuch-Weltrekord aufgestellt.



Im November 2008 veröffentlichten drei nordirische Priester eine CD mit geistlicher Musik, die eine internationale Sensation wurde. Ihr Album „The Priests" verkaufte sich über 2 Millionen Mal. Seither haben die Drei überall auf der Welt Konzerte gegeben. Im November 2009 – pünktlich zum Weihnachtsgeschäft – folgte das zweite, ebenfalls sehr erfolgreiche Album „Harmony". Das Besondere an der Gruppe: Dies ist keine weitere „Boy-

group", kein Produkt einer Talentshow, sondern hier singen Männer im so genannten „besten Alter", deren Musik tief verwurzelt ist in ihrem persönlichen Leben, in ihrem Priesterleben. Das gleiche Phänomen läßt sich derzeit in Frankreich beobachten: „Les Prêtres", drei singende Geistliche aus Südfrankreich, haben vor wenigen Wochen den ersten Platz der französischen Album-Charts erreicht.



Die nordirischen Stars Eugene und Martin O´Hagan sind leibliche Brüder und gingen zusammen mit David Delargy in den 1970er Jahren zur Schule. Dort begannen sie, gemeinsam zu singen, und zwar beim jährlichen Schulmusical. Doch sie teilten nicht nur das Interesse an der Musik, sondern auch die Liebe zu Gott. So begannen sie Theologie zu studieren, zunächst in Belfast, später in Rom.



Im Vatikan wurde man auf ihr Talent aufmerksam und sie sangen bei päpstlichen Liturgien, die Johannes Paul II. zelebrierte. Nach der Priesterweihe kehrten sie in ihre Diözese „Down & Connor" nach Nordirland zurück und arbeiteten zunächst in unterschiedlichen Arbeitsfeldern ihres Bistums (Ehegericht, Lehrerbildung, Gemeindearbeit). Inzwischen sind alle drei Gemeindepfarrer mit jeweils zwei zu betreuenden Kirchen. Im April 2008 wurde man beim Plattenlabel „Epic", einem Zweig des großen Sony Konzerns, auf ihr Talent aufmerksam. Schon am 23. April 2008 wurde der Vertrag bei einem Fototermin vor der Westminster Kathedrale in London unterschrieben. Sony soll eine Million Britische Pfund investiert haben, um ein Album mit „Gottes größten Hits" zu produzieren und zu vermarkten. Das Trio bestand darauf, dass das Projekt grundsätzlich nicht mit seiner Gemeindearbeit kollidiert, und hat zur Absicherung sogar eine Extraklausel in den Plattenvertrag aufnehmen lassen. Die pastorale Arbeit sollte weiterhin über den Ansprüchen des Musikgeschäfts stehen. Außerdem haben die Drei bestimmt, dass ein Teil der Einnahmen an wohltätige Zwecke gehe.



Religiöse Klassiker



Das erste Album umfasst 14 Titel, zum Beispiel Schuberts „Ave Maria" und Cesar Francks „Panis Angelicus". Ein Teil von ihnen wurde im Petersdom aufgenommen. Es gibt Lieder auf Englisch, Spanisch, Deutsch, Italienisch, Lateinisch und Irisch, worin man die Spannbreite des erwarteten Publikums ablesen kann.



Einzigartig für ein Debütalbum war, dass „The Priests" gleichzeitig in 32 Ländern weltweit auf den Markt kam. In Großbritannien schaffte es sogar den Sprung ins Guinessbuch der Weltrekorde, und zwar als das klassische Erstlingswerk, das sich am schnellsten verkaufte. Nach diesem riesigen und unerwarteten Erfolg gab es keinen Grund, das Konzept für das zweite Album zu verändern. Hier finden wir wiederum viele geistliche „Klassiker", zum Beispiel englische Versionen von „Stille Nacht" und dem „Vaterunser". Die Arie „Bist du bei mir" von Johann Sebastian Bach wird auf Deutsch gesungen. Seit dem Erscheinen der ersten CD hat das Trio Auftritte in aller Welt. Die vielen Interviews für Radio, Fernsehen und die Presse, die mit solchen Konzerten verbunden sind, brachten die Geschichte dieser drei Priester einem breiten Publikum nahe. Viele Käufer sagen, dass es das Hörerlebnis „glaubwürdiger" mache zu wissen, dass hier wirklich Priester singen. Im aktuellen „Jahr der Priesters", das Papst Benedikt XVI. ausgerufen hat, kann es für den englischsprachigen Raum kaum bessere Botschafter und Sympathieträger geben. Die drei wirken authentisch, wenn sie ganz einfach bekräftigen: „Wenn wir singen, beten wir zweimal."



Musikalische Mission



Der besondere Erfolg dürfte wohl gerade darin liegen: Ihre musikalischen Darbietungen basieren auf dem Wunsch, als Priester das Evangelium zu verkünden. Mit ihren Auftritten als „The Priests" fanden diese drei Geistlichen einen Weg, die Frohe Botschaft einem Publikum nahe zu bringen, das weit mehr Menschen umfasst als ihre kleinen nordirischen Pfarreien. Lauschen ihren Sonntagspredigten überschaubare Gruppen von Gläubigen, erreichen sie durch ihre Konzerte und CDs ein Millionenpublikum. Eine ungewöhnliche, aber auch bewegende Art, der priesterlichen Berufung zu folgen.

Zuletzt aktualisiert: 06. Oktober 2016