Dietrich Bonhoeffer – Leben und Verantwortung eines Christen

16. Februar 2026 | von

„Von guten Mächten wunderbar geborgen“ – dieser Text dürfte zu den bekanntesten christlichsten Texten der jüngeren Vergangenheit gehören. Zum Geburtstag des Autors am 4. Februar blicken wir auf sein Leben und Denken. 

Dietrich Bonhoeffer gehört zu den prägenden christlichen Gestalten des 20. Jahrhunderts. Als evangelischer Theologe, Seelsorger und Mitglied des Widerstands gegen das nationalsozialistische Regime in Deutschland verband er Glauben und Verantwortung in einer Weise, die bis heute herausfordert. Sein Leben zeigt, dass christliche Existenz nicht in der Abgrenzung von der Welt besteht, sondern im mutigen Eintreten für Wahrheit, Menschlichkeit und Gerechtigkeit – auch unter lebensbedrohlichen Bedingungen.

Theologische Ausbildung
Bonhoeffer wurde 1906 in Breslau geboren und wuchs in einem liberalen, akademisch geprägten Elternhaus auf. Schon früh entschied er sich für ein Studium der evangelischen Theologie, obwohl religiöse Praxis im familiären Umfeld keine zentrale Rolle spielte. Seine außergewöhnliche Begabung zeigte sich rasch: Mit nur 21 Jahren promovierte er, wenig später folgte die Habilitation. Prägend für seine geistige Entwicklung waren Auslandsaufenthalte in Rom, Barcelona und besonders in den Vereinigten Staaten. In New York begegnete Bonhoeffer einer lebendigen Kirchenpraxis, insbesondere in afroamerikanischen Gemeinden, in denen Glaube, gesellschaftliches Engagement und Solidarität untrennbar miteinander verbunden waren. Diese Erfahrungen vertieften seine Überzeugung, dass Kirche nicht Selbstzweck ist, sondern Verantwortung für die Welt trägt.

Gegen die Gefahr der Vereinnahmung
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 erkannte Bonhoeffer früh die Gefahr einer ideologischen Vereinnahmung des Christentums. Er widersprach öffentlich dem Führerprinzip und der Diskriminierung jüdischer Mitbürger, auch innerhalb der Kirche. Als Mitglied der Bekennenden Kirche setzte er sich entschieden für die Unabhängigkeit der kirchlichen Verkündigung vom Staat ein. Im Predigerseminar Finkenwalde übernahm er Verantwortung für die Ausbildung junger Pfarrer. Dort entwickelte sich eine geistliche Gemeinschaft, die von Gebet, Bibellesung und gegenseitiger Verantwortung geprägt war. In dieser Zeit entstanden seine bekannten Werke Nachfolge und Gemeinsames Leben, in denen Bonhoeffer eine konsequente Christusnachfolge beschreibt, die Glauben und Alltag untrennbar verbindet.

Verantwortung und Widerstand
Der zunehmende Terror des Regimes führte Bonhoeffer schließlich in den politischen Widerstand. Über familiäre Kontakte und seine Tätigkeit im kirchlichen Auslandsdienst kam er in Verbindung mit oppositionellen Kreisen innerhalb der militärischen Abwehr, unter anderem mit Wilhelm Franz Canaris (1887-1945). Er beteiligte sich an internationalen Kontakten des Widerstands und nutzte seine Reisen, um über die tatsächlichen Zustände in Deutschland zu informieren. Bonhoeffer handelte dabei in dem Bewusstsein, dass verantwortliches Tun Schuld einschließen kann. In seinen ethischen Überlegungen entwickelte er ein Verständnis von Verantwortung, das nicht an abstrakten Regeln festhält, sondern sich am konkreten Handeln vor Gott orientiert. Entscheidend war für ihn nicht moralische Reinheit, sondern das Eintreten für Menschen, die unter Unrecht litten.

Hoffnung trotz Haft
Nach seiner Verhaftung im April 1943 wurde Bonhoeffer zunächst im Militärgefängnis Berlin-Tegel festgehalten. Die Haft bedeutete für ihn einen tiefen Einschnitt, zugleich aber auch eine Phase intensiver geistiger Auseinandersetzung. In Briefen an Familie und Freunde reflektierte er über Kirche, Glauben und die Zukunft des Christentums in einer säkularen Welt. Bonhoeffer dachte über ein „mündiges Christsein“ nach, das ohne religiöse Floskeln auskommt und dennoch fest im Vertrauen auf Gott gegründet ist. Die Haft isolierte ihn äußerlich, öffnete ihm aber zugleich einen Raum innerer Freiheit, in dem Glaube, Zweifel und Hoffnung nebeneinanderstehen durften.
Nach der Aufdeckung der Umsturzpläne gegen Hitler wurde Bonhoeffer in das Konzentrationslager Flossenbürg gebracht. Am 9. April 1945, wenige Wochen vor Kriegsende, wurde er dort hingerichtet. Sein Tod markiert das Ende eines Lebens, das konsequent aus dem Glauben heraus geführt wurde. Bonhoeffers Texte aus der Haft, darunter das Gedicht Von guten Mächten wunderbar geborgen, sind bis heute weit verbreitet. Sie zeugen von einer Glaubenshaltung, die auch angesichts des Todes von Vertrauen und Hoffnung getragen ist.

Wirkungsgeschichte und Aktualität
Bonhoeffers Denken wirkt bis in die Gegenwart hinein. Seine Fragen nach Verantwortung, Schuld und dem Verhältnis von Kirche und Gesellschaft bleiben aktuell, besonders in Zeiten politischer und gesellschaftlicher Krisen. Er erinnert daran, dass christlicher Glaube nicht neutral bleiben kann, wenn Menschenwürde und Freiheit bedroht sind. Bonhoeffer fordert dazu heraus, Entscheidungen nicht aus Bequemlichkeit oder Angst zu treffen, sondern aus Gewissen und Verantwortung. Sein Leben ist kein moralisches Vorbild im einfachen Sinn, sondern ein Anstoß zum Nachdenken darüber, was es heißt, als Christ in einer oft widersprüchlichen Welt zu leben. 

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2026
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