Mehr als graue Theorie

26. Oktober 2026 | von

Informatikunterricht ohne Computer – für Hunderte Schülerinnen und Schüler im nigerianischen Oron war das bislang Alltag. Mit Unterstützung der Caritas Antoniana konnten die dort tätigen Ordensschwestern nun einen Computerraum einrichten und zugleich für eine zuverlässige Stromversorgung sorgen.

Die Kongregation der Dienerinnen des Heiligen Kindes Jesu (H.H.C.J.), Handmaids of the Holy Child Jesus, wurde von Mary Charles Walker gegründet, einer Ordensschwester, die 1923 auf Einladung von Bischof Joseph Shanahan nach Nigeria kam. Sr. Mary, geboren 1881 in England, hatte echtes Organisationstalent, noch mehr aber war sie der Überzeugung, dass man aus dem christlichen Geist heraus alles dafür tun muss, dass sich der Lebensstandard der Menschen, zu denen man geschickt ist, verbessert. Ihr Wunsch nach einer einheimischen Ordensgemeinschaft in Nigeria erfüllte sich, als vier junge Frauen, die sie an der St. Joseph’s Convent School in Calabar unterrichtete, eine geistliche Gemeinschaft gründen wollten: die Gründungsstunde der Dienerinnen des Heiligen Kindes Jesu. Im April 1937 wurde die Gemeinschaft vom zuständigen Bischof dann auch kanonisch errichtet und damit kirchenrechtlich anerkannt. Mittlerweile ist die Gemeinschaft päpstlichen Rechts und erstreckt sich über viele Teile der Welt, von Nigeria über Ghana, Kamerun, Togo, Sierra Leone und Kenia, Deutschland, Italien und die Vereinigten Staaten – um nur einige Länder zu nennen, in denen die Schwestern tätig sind.

Christus schenken
Ihren Missionsauftrag fassen die über 1.000 Schwestern der Kongregation heute so zusammen: „Wir, die Handmaids of the Holy Child Jesus, sind erwählt, um in den Fußstapfen unserer Gründerin, Mother Mary Charles Walker, Christus unter allen Menschen bekannt zu machen und die Liebe zu ihm zu wecken. Wir sehen unsere Aufgabe bevorzugt in der Arbeit mit und für die Armen, die Kranken, Frauen und Kinder. Wir dienen, damit wir den Lebensstandard derjenigen verbessern können, denen wir dienen: Durch Erziehung, Pastoraldienst, gesundheitliche Versorgung, ausgeübt in Schlichtheit, Großzügigkeit und Vertrauen in die göttliche Vorsehung. Wie unsere Gründerin, Mutter Mary Charles Walker, versuchen wir in der Begegnung mit allen Menschen Christus zu schenken.“

Von der Theorie zur Praxis
Unser Caritas-Projekt führt uns zurück nach Nigeria, in das Gründungsland der Schwestern. Sie sind in Oron für die Schule Infant Jesus Model Secondary verantwortlich – die einzige weiterführende Schule im gesamten Bezirk. Die Gegend ist von großer Armut geprägt. Eine zuverlässige Versorgung mit Trinkwasser und Strom ist keineswegs selbstverständlich; von dem Ölreichtum der Region profitieren vor allem wenige wohlhabende Menschen in den Städten. Derzeit, so berichtet Sr. Eucharia Ugwu, die Projektpartnerin, gibt es 690 Schülerinnen und Schüler im Alter von 10 bis 17 Jahren. Hinzu kommen gut 500 Schüler/innen, die zwar staatliche Schulen besuchen, aber das Nachhilfeangebot der Schwestern in Anspruch nehmen. Die Handmaids werden in ihrem schulischen Auftrag unterstützt von 48 Lehrkräften und gut 50 weiteren Mitarbeitenden. Eines der Probleme der Schule: Bislang standen nur fünf Computer zur Verfügung. Und diese wurden ausschließlich für die Verwaltung benutzt. „Also“, berichtet Sr. Eucharia, „ist unser Informatikunterricht rein theoretisch. Wir erklären den Kindern, wie Computer funktionieren, was man mit ihnen alles tun kann – aber eine Möglichkeit, das Gelernte dann auch in der Praxis auszuprobieren, gibt es nicht.“ Die Caritas Antoniana hat einen Zuschuss in Höhe von 16.400 Euro bewilligt, damit nun 40 Computer angeschafft werden konnten. Die Schwestern haben im zweiten Stock der Schule einen Raum als Informatikraum eingerichtet und auf dem Dach eine Photovoltaikanlage installieren lassen, damit dann auch zuverlässig Strom vorhanden ist. Seit ein paar Monaten ist der Unterricht mit Computer und Software also nicht mehr bloße Theorie: Die Schülerinnen und Schüler können ganz praktisch und auf modernstem Stand der Technik üben. Neben dem Unterricht in den anderen Fächern wie Englisch, Mathematik oder Geografie werden damit wichtige Kenntnisse vermittelt, die den Jugendlichen helfen sollen, ihren Lebensstandard durch bessere Bildung und Fertigkeiten zu verbessern. Damit setzt sich auf ganz zeitgemäße Weise fort, was schon Sr. Mary Charles Walker wichtig war: Menschen durch Bildung Fähigkeiten mitzugeben, mit denen sie ihr Leben aus eigener Kraft verbessern können. Aus Nigeria kommt deshalb von Sr. Eucharia und den Schülerinnen und Schülern der Infant Jesus Model Secondary ein ganz herzlicher Dank: Vergelt’s Gott für alle Unterstützung! 

 

Zuletzt aktualisiert: 26. Oktober 2026
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