Wenn ich groß bin, werde ich Tischler!

03. August 2026 | von

Die Guanellianer begleiten in der Demokratischen Republik Kongo Straßenkinder auf ihrem Weg in ein neues Leben. Dank der Unterstützung der Caritas Antoniana finden sie in Kinshasa Schutz, Betreuung und neue Perspektiven.

Luigi Guanella (1842-1915), katholischer Priester, gründet neben einer weiblichen Ordensgemeinschaft auch die Servi della Carità (SdC), die „Diener der Nächstenliebe“, oft „Guanellianer“ oder „Werk Don Guanella“ genannt. Im deutschen Sprachraum gibt es keine Niederlassungen, wohl aber – unter anderem – im Kongo. Dort ist die Kongregation der Diener der Nächstenliebe seit dem Jahr 1996 tätig. Aktuell wirken 50 Missionare in zwei Diözesen. Sie engagieren sich in Pfarreien, vor allem jedoch in der Betreuung und Unterstützung von Straßenkindern und Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen. Denn „Häuser der göttlichen Vorsehung“, die in ihrem Dienst stehen, waren das Gründungsanliegen von Don Luigi, der 2011 heiliggesprochen wurde.

Von der Straße in eine bessere Zukunft
In Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, die mit 16 Millionen Einwohnern als größte Stadt des afrikanischen Kontinents gilt, unterhalten die Missionare im Stadtteil Lemba seit dem Jahr 2022 ein Haus, in dem sie Straßenkinder unterstützen: Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren, die auf der Straße aufgegriffen werden, werden dort aufgenommen und betreut. – Als Straßenkinder haben sie keinen Zugang zu grundlegenden sozialen Dienstleistungen. Die harten Lebensbedingungen auf der Straße treiben viele von ihnen, vor allem die Mädchen, zu grausamen und entmenschlichenden Handlungen, darunter Prostitution, Diebstahl und Drogenkonsum. Sie haben das Vertrauen sowohl in sich selbst als auch in andere verloren. Genau dort sehen die Guanellianer ihre Mission. Ihre Arbeit beginnt mitten auf der Straße und in den Slums, wo die Kinder leben. Sie versuchen, das Vertrauen der Straßenkinder zu gewinnen, um ihnen aufzuzeigen, dass ein anderes Leben möglich ist – und dass damit eine bessere Zukunft blüht. 

Bessere Ausstattung
In ihrer Spendenanfrage an die Caritas Antoniana haben die Diener der Nächstenliebe aufgezählt, was für die Ausstattung des Straßenkinder-Hauses noch nötig ist, um besser seinem Zweck dienen zu können: 70 Metallbetten, einige Schränke, zehn Esstische, 90 Stühle für den Speisesaal, zwei Fernseher und zwei Gefriertruhen. In Summe hat das Paduaner Hilfswerk der Franziskaner-Minoriten 30.000 Euro bewilligt. Über ein gutes Jahr zog sich die Realisierung hin. Ende Februar 2026 konnte von Kinshasa dann nach Padua vermeldet werden: „Projekt umgesetzt!“ Damit ist die Einrichtung der Missionare nun noch besser in der Lage, Straßenkinder aufzunehmen, sie zu betreuen und ihnen ein gutes, stabiles Umfeld zu bieten.

Neue Zukunftspläne
Um diese Tatsache möglichst authentisch zu belegen, soll nun Eric Mpiana zu Wort kommen. Er erzählt: „Eigentlich weiß ich nicht, wie alt ich bin. Meine Tante väterlicherseits hat mir gesagt, dass ich genauso alt bin wie mein Cousin, der gerade zwölf Jahre alt ist. Ich lebe auf der Straße, seit ich in der 2. Klasse war. Meine ältere Schwester und ich lebten bei unserem Vater, nachdem er sich von unserer Mutter getrennt hatte. Als die neue Frau unseres Vaters zu uns kam, begann unser Leidensweg. Ich bin von zu Hause weggelaufen, an dem Tag, als ich Essen gestohlen habe, um es meiner Schwester zu geben. Die Frau unseres Vaters zwang meine Schwester oft, Hunger zu leiden, weil sie nicht genug arbeitete. Ich hielt es nicht mehr aus. Als sie mich mit dem Essen erwischte, gab sie mir eine furchtbar harte Ohrfeige. Als mein Vater nach Hause kam, fing er an, mich und meine Schwester anzuschreien. Am nächsten Tag habe ich ihm Geld geklaut und bin wieder auf der Straße gelandet. Meine Schwester blieb bei der Familie. Manchmal kommt sie mich besuchen, auch wenn unser Vater nicht will, dass ich nach Hause zurückkehre. Wir wissen nicht, wo unsere Mutter jetzt ist. Es scheint, als wäre sie in Luanda, in Angola. Von der Straße kam ich hierher. Seit fast zwei Jahren lebe ich im Zentrum. Hier habe ich wieder mit der Schule angefangen. Ich bin jetzt in der 4. Klasse. Wenn ich groß bin, werde ich Tischler!“

Spürbare Nächstenliebe
Auch der zehnjährige Alex Mukili wohnt im Zentrum der Guanellianer von Kinshasa. Als Straßenkind wurde er regelmäßig von Älteren mit Rasierklingen traktiert; er erzählt mit Tränen in den Augen, dass andere sogar auf ihn uriniert hätten. Überall geht es auf die immer noch Schwächeren. Eines Tages hatte er das Glück, von den Missionaren aufgegriffen zu werden. Sie brachten ihn ins Zentrum, wo er nun ein sicheres Zuhause gefunden hat: „Die Nächstenliebe hat uns gerettet. Jetzt hat jeder von uns seinen eigenen Platz, ein eigenes Bett. Danke an alle, die dazu beigetragen haben, nicht nur zum Bau dieses Zentrums und zur Ausstattung, sondern auch an alle, die an Menschen wie uns denken. – Ich bete darum, dass Gott mir auch die Liebe schenkt, die ich empfange, damit ich barmherzig und gut mit anderen sein kann.“ 

Zuletzt aktualisiert: 03. August 2026
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