Ein mobiles Krankenhaus in der Savanne

08. Juni 2026 | von

Zum diesjährigen Antonius-Fest am 13. Juni möchte die Caritas Antoniana dabei helfen, ein mobiles Feldkrankenhaus zu renovieren, das die abgelegensten Dörfer in der Savanne von Benin und Togo versorgen wird. Vor allem ist es spezialisiert auf die Behandlung von Blindheit und Augenkrankheiten allgemein, soll aber auch die medizinische Grundversorgung für die armen Menschen vor Ort gewährleisten.

Den Entwurf eines Feldkrankenhauses, gezeichnet auf ein großes Blatt Papier, breitet Danilo Tonin auf seinem Schreibtisch aus. Mit dem Finger fährt er über den Plan: „Hier sind die Unterkünfte, dort die Zelte für die Aktivitäten, hier die Generatoren, dort die Küche, dann der Anhänger mit dem Operationssaal und der mit den Sanitäranlagen …“. Wären wir nicht bei der Caritas Antoniana, würde es wie eine Art Spielplan des Spiels „Risiko“ mit Beschreibungen und Erklärungen zum Basislager wirken. Das Projekt, das Herr Tonin so euphorisch beschreibt, scheint bereits beschlossene Sache zu sein. Er ist schon dort, „einsatzbereit an der Front“, mittendrin im Kampf gegen eine endemische Plage: Blindheit und Augenkrankheiten, von denen Millionen Menschen in den ländlichen Gebieten Afrikas betroffen sind. Es ist so schon ein riesiges Unterfangen, seit vielen Jahren bewährt. Doch nun möchte Herr Tonin das Projekt zu etwas noch Größerem ausbauen. Er träumt von einer mobilen Gesundheitsversorgung in den entlegensten Dörfern der Savanne. 

Am Anfang eine Bekehrung
Herr Tonin ist seit 2007 in Benin – seit er beschlossen hat, alles aufzugeben: eine gut laufende Silberfabrik, seine Villa, das Auto, ein Leben im Wohlstand – für eine verrückte Idee, aus der heute das mobile Krankenhaus „Provvidenza Divina“ geworden ist. So wurde er mit gut 55 Jahren Laienmissionar, und heute, mit 80 Jahren und Tausenden geheilten Augen hinter sich, bereut er nichts. „Auch ich befand mich wie so viele im Räderwerk der Produktion, des beruflichen Erfolgs, im ‚Getriebe‘, und doch fühlte ich mich unglücklich, es reichte mir nicht, ich hatte keine Zeit für mich selbst. Es war schwer zu begreifen, wonach ich wirklich suchte, und nachdem ich es begriffen hatte, war es noch schwieriger, meine Entscheidung für die Armen, mit der ich gegen den Strom schwamm, in die Tat umzusetzen.“ Am Anfang leitete ihn der hl. Antonius: „Ich besuchte das theologische Institut der Brüder in Padua, doch der Sprung ins Ungewisse erfolgte in Lourdes, auf einer fast zufälligen Reise, vor der Grotte der Muttergottes, wo die Aussetzung des Allerheiligsten stattfand. Das war meine Bekehrung.“

Zufallsbegegnung mit Folgen
Obwohl er wusste, dass er sich den Armen widmen wollte, war es keineswegs selbstverständlich, herauszufinden, wo und wie. Die Hinweise kamen, als er es am wenigsten erwartete: „Ein Freund lud mich zum Mittagessen ein, bei dem auch eine Nonne aus Benin anwesend war. Im Gespräch mit ihr begann ich, die soziale und gesundheitliche Lage des Landes zu verstehen.“ In Benin kommt auf 16.000 Einwohner ein Arzt, aber in den ländlichen Gebieten gibt es keinen einzigen. „Als Arzt fungieren der ‚Wunderheiler‘ oder die Dorfälteste, und die Armut der Einwohner – arme Bauern, die oft weder lesen noch schreiben können, weil sie keinen Zugang zu Bildung hatten – erlaubt es ihnen nicht, sich in der Stadt behandeln zu lassen. Die Menschen haben keinen Zugang zu den gängigsten Laboruntersuchungen, eine schwangere Frau bekommt nicht einmal einen Ultraschall. Deshalb ist auch die einzige Form der Medizin, die ihnen zur Verfügung steht – die Naturheilkunde – ohne eine sichere Diagnose weniger wirksam.“ 

Erste Versuche
Im Jahr 2007 landet Herr Tonin durch den Kontakt zu einigen Ordensleuten in Benin; ein bisschen wie ein Marsmensch auf einem neuen Planeten. Er mietet ein Zimmer und beginnt, sich umzusehen. Er ist nicht der Typ, der untätig herumsteht. Die einzige Möglichkeit, die er sieht, um seine Mission in Gang zu bringen, besteht darin, eine Vereinbarung mit dem nächstgelegenen Krankenhaus zu treffen und für die Ärmsten vergünstigte Tarife auszuhandeln. Es scheint zu funktionieren, doch im Jahr darauf verlässt der Direktor, mit dem er die Vereinbarung getroffen hat, das Krankenhaus, und sein Nachfolger kündigt jede Zusammenarbeit auf. Das ist der Anstoß, der ihn dazu bringt, nach Unabhängigkeit für seine Mission zu streben. Zurück in seiner Heimat konkretisiert er die Idee eines mobilen Krankenhauses aus LKW-Anhängern, das regelmäßig die entlegensten Orte in Benin anfährt, um die umliegenden Dörfer im Umkreis von 150 Kilometern zu versorgen.  

Ein verrücktes Projekt
Er ist sich sicher, dass alles gut gehen wird. Er habe einen Vertrag mit Gott geschlossen, erklärt er lachend, mit einer Ironie, die seinen Charakter mindestens ebenso prägt wie seine innere Stärke. „Ich habe dem Herrn klar und deutlich gesagt: ‚Ich gebe alles auf, aber du musst mir jetzt alles geben.‘ Und so war es immer, ich habe noch nie ein Projekt mit Verlust abgeschlossen, im Gegenteil, oft blieb mir sogar ein kleiner Überschuss. Diese Mission steht ganz im Zeichen der Vorsehung.“ 
Und so, wie er nie von der Vorsehung enttäuscht wurde, hat auch er die Vorsehung nie enttäuscht. In seiner Arbeitsweise gleicht er einem reißenden Fluss, der es schafft, seine unzähligen Nebenflüsse zu bändigen. Dabei kommt ihm sicherlich seine Erfahrung als Unternehmer zugute. Er findet die richtigen Ansprechpartner, geht auf sie zu, spricht mit ihnen, erklärt, versteht es, sie mitzureißen, und nutzt jede sich bietende Gelegenheit. Der Leiter eines Krankenhauses verspricht ihm, die Sattelschlepper komplett auszustatten – sofern Danilo sie auftreiben kann –, mit Ambulanz, Operationssaal und der gesamten notwendigen Ausrüstung. 

Getragen von einem Netzwerk
Und es gibt viele Menschen, die ihm den Weg ebnen: von den Verkäufern von LKW-Anhängern und Logistikmaterial, die ihm Fahrzeuge und Ausrüstung schenken oder zu günstigen Preisen zur Verfügung stellen, bis hin zu dem Freund, der ihm das Geld für den Transport spendet. Die ersten freiwilligen Ärzte sind Augenärzte, und das eröffnet ihm den Zugang zu einem internationalen Symposium von Augenärzten, wo er Kontakte zu den wichtigsten Unternehmen in diesem Sektor knüpft, sowohl in Italien als auch in anderen Ländern.  Auch heute noch sind es 18 auf Augenheilkunde und sieben im Optikbereich spezialisierte Firmen, die ihm zweimal im Jahr das gesamte Material zur Verfügung stellen, das er für seinen Einsatz benötigt: Geräte, chirurgische Instrumente, Medikamente und Augentropfen, Kittel sowie sonstiges notwendige Material. Es gibt Unternehmen, die ihm alle Brillenfassungen spenden. 
Seine Erzählung ist eine Aneinanderreihung von Anekdoten, Geschichten und unerklärlichen Zufällen. Sicher ist, dass das Krankenhaus „Ospedale Provvidenza Divina“ dank dieser Flut an Hilfsleistungen seit 2012 in Betrieb ist und jährlich über 20.000 Menschen versorgt, die meist an Augenkrankheiten leiden – einige davon sehr schwerwiegend und zur Erblindung führend – oder eine Brille benötigen. Um diesen Kontaktfluss zu bewältigen und „die Dinge richtig zu machen“, gründete Herr Tonin zunächst eine NGO in Benin, in Abomey-Calavi (einer Stadt im Süden des Landes), die „Soleil d’Afrique-Benin“, und anschließend eine gemeinnützige Organisation mit dem gleichen Namen in Arsiè bei Belluno in Italien, seinem Heimatort.
Der einzige Rückschlag war die Corona-Epidemie: „Das hat mir jedoch bewusst gemacht, wie wichtig es ist, Ärzte und medinisches Personal besser vor Infektionen zu schützen, weshalb ich einen LKW als Unterkunft besorgt habe, denn zuvor waren die Freiwilligen in Pfarreien oder bei Privatpersonen untergebracht.“ Ihnen verdankt er viel: Sie arbeiten hart und bezahlen sogar ihre Reise hierher aus eigener Tasche: „Damit sie sich mehr wie zu Hause fühlen, habe ich dem afrikanischen Koch sogar beigebracht, wie man Risotto kocht“, lacht er verschmitzt.

Zeit für den nächsten Schritt 
Heute sind etwa 30 italienische Freiwillige – darunter Ärzte und Techniker – im Einsatz, doch inzwischen hat das Krankenhaus zwei Ärzte, acht Krankenpfleger und vier Techniker vor Ort ausgebildet, die es regulär bezahlt. „Unser Krankenhaus wendet je nach den finanziellen Möglichkeiten der Menschen unterschiedliche Tarife an, auch weil in Benin der Glaube vorherrscht, dass eine Behandlung wirkungslos ist, wenn sie nicht bezahlt wird. Bei Bedarf nehmen wir auch Hühner und Eier an. Das Wenige, das wir einnehmen, ermöglicht es uns, das Personal sowie die Verpflegung und die Unterkunft der Freiwilligen zu bezahlen.“
Und dennoch braucht das Feldkrankenhaus nach fast 15 Jahren treuem Dienst einen „Boxenstopp“: „Die Fahrzeuge sind in einem schlechten Zustand, ebenso wie die Anlagen und bestimmte Ausrüstungsgegenstände. Ich träume schon seit einiger Zeit davon, das Basislager zu renovieren, um den Service für die Menschen zu verbessern, aber auch die Sicherheit und den Komfort des Personals, das sich täglich um über 100 Menschen, darunter auch Kinder, kümmert und mindestens 10 Operationen durchführt. Ich möchte auch den Teil des Projekts stärken, der die medizinische Grundversorgung betrifft, indem ich einen Allgemeinarzt in die Dörfer schicke sowie Krankenschwestern und Techniker für Blutuntersuchungen und Ultraschalluntersuchungen bei Schwangeren. Im Vereinssitz in Abomey-Calavi, der uns auch als Lager dient, haben wir bereits ein kleines Labor, während wir seit Jahren mit dem Krankenhaus in Padua zusammenarbeiten, das die Befunde unserer Patienten aus der Ferne auswertet. Kurz gesagt: Wir haben mittlerweile die Erfahrung und das Netzwerk an Kontakten aufgebaut, um einen Qualitätssprung zu machen und noch mehr Menschen noch effektiver zu versorgen.“ 

Unterstützung durch die Caritas Antoniana
Und so hat Danilo Tonin sein Kontaktnetzwerk wieder auf Hochtouren gebracht und es geschafft, neue Sattelschlepperauflieger, Sattelzugmaschinen, Kühlwagen, Spezialausrüstung und sogar einen Pick-up geschenkt zu bekommen. Das Krankenhaus in Padua wird den Operationssaal und den Vorbereitungsraum ausstatten, einschließlich Geräten zur Luftsterilisation, und es wird sogar ein Operationsmikroskop geliefert. Das Ganze hat einen Wert von über 380.000 Euro. Doch um die Renovierung des Krankenhauses „Provvidenza Divina“ abzuschließen, fehlen noch viele teure Komponenten, darunter fünf Wohnwagen, die auf die LKW-Fahrgestelle montiert werden sollen, Stromaggregate, eine Küche, eine Wasseraufbereitungsanlage, Sanitäranlagen für die Zimmer der Freiwilligen und chemische Toiletten für die Patienten, neue Pavillons für den Warteraum und die Ausstattung für die Wäscherei, ein Fahrzeug für den Gesundheitsdienst in den Dörfern und nicht zuletzt die Transportkosten. Diesmal und zum ersten Mal in der Geschichte des Krankenhauses ist eine Finanzierung erforderlich, und zwar eine beträchtliche: 478.000 Euro. Es ist an der Vorsehung, ihren Teil beizutragen, lässt Herr Tonin durchblicken, der sich stets an seinen göttlichen Vertrag erinnert. „Und die Vorsehung seid diesmal ihr, die Caritas Antoniana und ihre Unterstützer und Wohltäterinnen.“ 

Die Zukunft im Blick
Herr Tonin hat es eilig, dieses Projekt zum Abschluss zu bringen. Er möchte alle fehlenden Teile kaufen und das neue Feldlazarett mit den Fachkräften, die er in Italien leichter finden kann, aufbauen, um es anschließend abzubauen, nach Genua zu transportieren und per Fähre nach Benin zu bringen. „Der Traum ist es, die Mission im Januar 2027 wieder zu eröffnen und sie auf Togo auszuweiten.“ In der Zwischenzeit ist er in das afrikanische Land geflogen, um alle Vereinbarungen zu treffen, aber auch, um die Kontinuität des Projekts für die Zukunft zu sichern: „Ich bin nicht unsterblich … Früher oder später wird mich die Vorsehung zu Ihm in den Urlaub schicken!“ 
Und inzwischen reist er mit seinem Basislager-Projekt im Gepäck umher und stellt es Unternehmern, Politikern, Vereinen, Pfarreien und einfachen Leuten vor: „ Hier die Ambulanz, dort der Pavillon mit Strohmatten zum Warten, dann die Küche und die Kantine, um den Menschen, die manchmal bis zum nächsten Tag auf ihre Untersuchung warten müssen, eine Mahlzeit anzubieten, dort der Raum zum Sterilisieren der chirurgischen Instrumente, dort der Sattelauflieger mit den Brillenfassungen und dem Optiker …“. Und wer ihm zuhört, steht schon mit ihm gemeinsam „einsatzbereit an der Front“. 

Helfen auch Sie, dieses großartige Projekt des mobilen Krankenhauses zu unterstützen!

Alle Informationen finden Sie hier: bit.ly/4thga8L

Zuletzt aktualisiert: 08. Juni 2026
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