Liebe Leserinnen und Leser Oktober 2026
Liebe Leserinnen und Leser!
Wenn ich ehrlich bin, dann muss ich gestehen, dass ich der franziskanischen Jubiläen allmählich müde bin. Da feierten wir das Jubiläum unserer Regel, das stolze Erinnerungsfest „800 Jahre franziskanisches Leben in Deutschland“, die Erinnerung an das erste Krippenfest in Greccio, an die Stigmatisation unseres Gründers, die 800-jährige Präsenz der Minderbrüder in Österreich, das Jubiläum des Sonnengesangs und schließlich nun in diesem Jahr die acht Jahrhunderte seit dem Tod des hl. Franz von Assisi am 3. Oktober 1226. Ist’s nicht irgendwann dann doch einmal genug? Ich war und bin überrascht, was in diesem Jahr im franziskanischen Umfeld alles an Ideen und Initiativen entstanden ist, um den hl. Franziskus erneut ins Blickfeld zu rücken. Für den deutschen Sprachraum wurde in Salzburg eine große Franziskus-Ausstellung auf die Beine gestellt, es wurden Opern und Musicals aufgeführt, Symposien und Vorträge veranstaltet. Mit Franziskanern und Kapuzinern haben wir ein gemeinsames „Mattenkapitel“ gefeiert; das „Franziskus-ABC“, das Br. Markus Scholz und ich zum Jubiläumsjahr herausgegeben haben, musste bereits nachgedruckt werden; und den Brüdern in unseren Klöstern ist allerhand eingefallen, um unseren Gründer zu würdigen. Ich bin dankbar für dieses Engagement und stolz auf die Kreativität. Denn bei weniger werdenden Brüdern, knapper werdenden Finanzen und nachlassendem Interesse an kirchlichen Themen hätte man ja auch die Beine hochlegen und das Jubiläum Jubiläum sein lassen können. Das ist zum Glück nicht passiert, und das Jubiläumsjahr ist – mit dem Höhepunkt rund um den 3./4. Oktober – in vollem Gange.
Natürlich wird man hier und da auch kritische Fragen stellen können. Und ja, ein Jubiläum kann auch zum Selbstzweck werden. Mir aber hat dieses Jubiläumsjahr 2026 auch gezeigt, dass die franziskanische Familie lebendig ist – und dass manchmal vielleicht sogar überraschend mehr Leben darin steckt, als man zunächst vermuten würde. Das gibt mir ganz konkret Hoffnung, wo heute so viel von Schwierigkeiten und Abbrüchen die Rede ist und angeblich alles immer schlimmer wird. Unser Oktober-Heft hält für Sie und alle, mit denen Sie dieses Heft teilen, hoffentlich viel Ermutigendes bereit!
Von Herzen wünsche ich Ihnen pace e bene, Ihr Br. Andreas