26. August 2026

Liebe Leserinnen und Leser September 2026

Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden. Franz Kafka (1883-1924)
Liliya Krueger / Getty Images

Liebe Leserinnen und Leser!

Über meinem Heimatdorf stehen die Reste einer Burg, die Ruine Scharfeneck. Die wurde irgendwann als Aussichtsturm hergerichtet und von Ostern bis Oktober hat sonntags immer einer aus dem Dorf „Turmdienst“: Turm aufschließen, Fahne hissen und für Sonntagsausflügler Getränke verkaufen. Ein besonderes Highlight wartet am Ostermontag. Da werden im Wald rund um die Ruine Ostereier versteckt und die Kinder dürfen sie suchen. Für mich liegt das mittlerweile freilich weit zurück. Vor einigen Wochen wurde ein „Aushilfsturmwärter“ gesucht, weil jemand für den Sonntag kurzfristig ausgefallen war. Ausnahmsweise hatte ich tatsächlich an diesem Sonntagnachmittag frei und fasste den spontanen Entschluss, einzuspringen. Dabei ist dann unser Titelfoto für den September entstanden. Ein Blick auf Oberscheinfeld, mein Heimatdorf. Ich würde mich nicht als sonderlich heimatverbunden bezeichnen. Aber es wurden doch nostalgische Gefühle wach. Ich blickte auf den Hügel, wo wir früher zum Schlittenfahren waren; ich sah die Stelle, wo wir als Kinder zelteten; und ich erinnere mich an ein Radrennen, das wir als Jugendliche durch unser Dorf veranstalteten. Natürlich auch: der Blick auf die Pfarrkirche, wo ich lange Zeit ministriert habe; Häuser, in denen ich bei Freunden gespielt habe – und allem voran mein Elternhaus, wo ich aufgewachsen bin.
Natürlich gibt es kluge Sprüche rund um die Heimat. Heimat ist dort, wo man sich akzeptiert und angenommen fühlt. Längst sage ich „Ich fahre heim ins Kloster.“ Und in frommen Augenblicken reden wir von der eigentlichen Heimat, die im Himmel ist. Aber dann gibt es halt doch noch unsere Heimat hier – für mich verbunden mit Kindheitserinnerungen und Jugendträumen. An jenem Sonntagnachmittag vor ein paar Wochen habe ich mich gefreut, dass in mir diese Heimatgefühle wieder wach wurden. Dankbar konnte ich auf das blicken, was mich in Oberscheinfeld geprägt und was ich von dort mitgenommen habe. Im Lauf des Lebens kamen bei mir – und sicher den allermeisten – weitere Orte hinzu. Sie prägen unser Leben und Denken. Für uns in der Antonius-Familie gehört Padua zu. Von dort erhalten Sie die aktuelle Sendboten-Ausgabe, für die ich Ihnen eine frohe Lektüre wünsche!

Ihr Br. Andreas

Zuletzt aktualisiert: 01. September 2026
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