Von Menschen für Menschen - Caritas Bilanz 2025
Nachhaltig, konkret, gemeinsam mit den Menschen vor Ort: Das ist die Solidarität der Caritas Antoniana. 122 Projekte in 40 Ländern wurden im Jahr 2025 mit insgesamt 3,8 Millionen Euro unterstützt, um von der Basis aus Not zu lindern: dank des hl. Antonius und dank Ihrer Unterstützung!
In einer Welt, die gezeichnet ist von Kriegen, Krisen und Armut fühlt es sich gut an, zu einer Verbesserung der Lebensumstände vieler Menschen beitragen zu können, auch wenn sie nur klein ist und von der Basis aus startet, weit weg von den großen Schaltzentralen. Darin liegt die Freiheit von Menschen, die glauben, nichts oder nur wenig bewirken zu können, aber die franziskanische Leidenschaft für die Menschen am Rand teilen und denen es gemeinsam mit vielen anderen gelingt, das Leben tausender Menschen zu verbessern.
Das ist das Wunder der Caritas Antoniana, die im vergangenen Jahr dank Ihrer aller Hilfe 122 Projekte in 40 Ländern mit mehr als 3,8 Millionen Euro unterstützen konnte. Diese Gelder erreichen die karitative Einrichtung der Minoriten an der Antonius-Basilika auf zwei Wegen: einerseits durch die vielen Spenden unserer Leserinnen und Leser, andererseits durch Gelder, die in Italien durch die 5-Promille-Wahl zusammenkommen: In Italien kann man fünf Promille seiner Steuern gemeinnützigen Organisationen spenden. Dass immer mehr Menschen diesen Anteil der Caritas Antoniana zukommen lassen, zeigt, dass das Hilfswerk als seriös angesehen wird.
P. Valerio Folli, der Direktor der Caritas Antoniana, zeigt sich davon „gerührt und angespornt, immer mehr im Namen des hl. Antonius zu wirken und zu helfen“.
Das zunehmende Desinteresse der westlichen Länder, einschließlich Europas, an der Zusammenarbeit im Bereich der Entwicklungshilfe – deutlich geworden durch die Einstellung von USAID im Juli letzten Jahres – macht die Arbeit kleiner Organisationen wie der Caritas Antoniana, die an vorderster Front neben Missionaren und lokalen Vereinigungen in den schwierigsten Gebieten der Armut und Verlassenheit stehen, noch wichtiger. Es ist die Unterstützung der Menschen für die Menschen.
Bei der Analyse der Bilanz fällt sofort auf, dass Afrika das Zentrum der antonianischen Hilfe ist: Dort wurden 66 Projekte mit mehr als 41 Prozent der Gesamtsumme unterstützt. Darauf folgt Europa mit 13 Projekten und 34,5 Prozent der Ressourcen: Das ist eine große Summe, die allerdings auch das italienische Projekt zum 13. Juni einschließt, die Einrichtung einer Anlaufstelle für Begegnung, Bildung und Prävention von Jugendkriminalität im Herzen der Problemviertel von Palermo, das alleine mit 700.000 Euro finanziert wurde. An dritter Stelle folgt der amerikanische Kontinent mit 22 Projekten und 16 Prozent Fördermitteln und zuletzt Asien mit 16 Projekten und fast 8 Prozent der Gelder.
Gegen die Übel dieser Welt
Ein Blick von außen auf die Art der Länder und Projekte zeigt sofort, dass die Arbeit der Caritas Antoniana die wichtigsten „offenen Wunden” der Welt berührt, als wäre sie ein Mikrokosmos. An erster Stelle steht der „Weltkrieg in Stücken”, wie Papst Franziskus ihn mit unglaublicher Weitsicht nannte, der mittlerweile in vielen unserer Projekte der Grund für unsere Hilfen und Unterstützung ist. Es ist kein Zufall, dass das Land, in dem die meisten Projekte durchgeführt werden, die Demokratische Republik Kongo ist, die in ihrer Geschichte von langwierigen bewaffneten Konflikten heimgesucht wurde, von denen der letzte 2022 erneut aufflammte und eine humanitäre Katastrophe mit Millionen von Vertriebenen verursachte. Trotz alldem vorwärts zu blicken, ist die Devise der Missionarinnen und Missionare dieses Landes: Gemeinsam mit ihnen haben wir dazu beigetragen, medizinische Zentren zu errichten, Klassenräume und Schlafsäle zu bauen oder zu renovieren, Brunnen zu bohren, wir haben Kleinstunternehmen oder berufsfördernde Projekte begleitet. In Myanmar, das von dem Bürgerkrieg und dem Erdbeben im März 2025 schwer gezeichnet ist, ist die Bevölkerung am Boden und man spricht von 3,5 Millionen Binnenflüchtlingen: Hier ist die Caritas Antoniana an der Seite einer Gruppe von Ordensschwestern, die sowohl materielle als auch spirituelle Hilfe in die Flüchtlingslager bringen, in die internationale Hilfsleistungen nur tröpfchenweise gelangen.
Das Ansinnen, Menschen zu erreichen, die in Kriegsgebieten leben, bringt uns auch in den Westen der Welt, in die Ukraine, wo rumänische Brüder in Absprache mit den ukrainischen Klöstern weiterhin Hilfsgüter für Kriegsflüchtlinge organisieren. Ein weiteres Land in Schwierigkeiten steht im Rampenlicht der Nachrichten: Venezuela, wo seit dem Tag nach dem amerikanischen Einmarsch und der Absetzung von Präsident Maduro große Unsicherheit herrscht und es schwierig ist, Lebensmittel zu finden, und noch schwieriger, sich medizinisch versorgen zu lassen. P. Valerio Folli erklärt: „Mit den Brüdern vor Ort haben wir eine Gemeinschaftspraxis mit 45 Fachärzten initiiert, die eine auf die Armen zugeschnittene Versorgung gewährleisten. Um dieses und andere Projekte der Brüder dort zu unterstützen, haben wir auch eine Geflügelzucht finanziert, wo die Menschen Fleisch und Eier zu fairen Preisen kaufen können.“
Eine weitere „offene Wunde“ der Welt und eine andere Art der Mikro-Hilfe zeigt sich beispielsweise in Mosambik, wo kein Krieg zwischen Völkern oder Stämmen herrscht, sondern der „Gegner“ der Klimawandel ist: „Wir haben eine Schule restauriert, die von einem Zyklon schlimm zerstört wurde – so etwas passiert immer häufiger. Im vorvergangenen Jahr war es Ecuador, wo weite Teile des Landes durch Überschwemmungen zerstört wurden“, berichtet P. Valerio.
Immer häufiger erreichen die Caritas Antoniana Anfragen bezüglich der Bereitstellung von Energie, in einem globalen Kontext, wo Energie immer teurer wird, vor allem dort, wo die nötige Infrastruktur fehlt. „Mittlerweile gehören Bitten um Solaranlagen, vor allem für Schulen oder medizinische Einrichtungen, zur Tagesordnung. Dort, wo eine kontinuierliche Energieversorgung notwendig ist, kaufen wir auch Stromgeneratoren.“
Heute ist die Armut, die nunmehr nicht nur die sogenannten „Entwicklungsländer“ betrifft, sondern immer häufiger auch die sogenannten „reichen“ Länder, ein anderes Problem. „In der Zeit der Coronapandemie haben wir uns auf die Pfarreien und Klöster der Brüder, insbesondere in Italien, konzentriert und den Fondo sant‘Antonio gegründet, einen Hilfsfonds, um Familien in extremer Not durch eine Reihe von Maßnahmen zu helfen, die von den Brüdern vor Ort verwaltet werden: Aufstockung von Einkommen, Bezahlen von Rechnungen, Übernahme von Schulkosten und Kosten für die medizinische Versorgung. Ein Dienst, der im Laufe der Zeit fortgesetzt wurde und für den die Caritas Antoniana im letzten Jahr 150.000 Euro bereitgestellt hat.“
Die Daten von 2025
Wenn wir nun nach den Fakten die Zahlen betrachten, zeichnen sich mehrere Einsatzgebiete besonders ab: Insgesamt wurden 30 medizinische Projekte der Gesundheitsförderung und Ernährung, 29 Schulprojekte, 24 Projekte der „menschlichen Förderung“, also Gemeinschaftsprojekte unterschiedlichster Art (Berufsausbildung, Aufklärung im Bereich Arbeitsrecht im Hinblick auf Faktoren, die Armut begünstigen) gefördert. Insgesamt 17 Projekte wurden im Bereich des sozialen Wohnungsbaus realisiert, um den schwächsten Bevölkerungsschichten zu helfen, und zehn, die den Zugang zu Trinkwasser (hauptsächlich in Form von Brunnen und kleinen Aquädukten) in ländlichen Gebieten gewährleisten.
Hinsichtlich der Nutznießer standen im vergangenen Jahr die Kategorie der Kinder und Jugendlichen im schulpflichtigen Alter sowie ländliche Gemeinschaften im Vordergrund. P. Valerio Folli erklärt das so: „Lange Zeit standen vor allem die Jüngsten im Mittelpunkt unserer Hilfe. Im Laufe der Jahre haben wir jedoch festgestellt, dass es nicht reicht, nur den Zugang zu einer schulischen Ausbildung zu garantieren. Die Arbeit in den Gemeinden, die Förderung von Dienstleistungen, von menschlicher, gesundheitlicher und beruflicher Bildung bedeutet, auf das Ideal der umfassenden Betreuung und Bildung des Menschen hinzuarbeiten.“ An dritter Stelle der geförderten Gruppen stehen Frauen. An sie richteten sich insgesamt zwölf Projekte. Und auch hier hat die Aktualität Einzug gehalten: In Nepal zum Beispiel wurde ein Projekt für Opfer häuslicher Gewalt initiiert. Aber es sind vor allem kleinere Projekte, hauptsächlich in Asien, die Frauen und Mädchen helfen, wie zum Beispiel der Bau von Schlafsälen, damit Mädchen und junge Frauen den oft weiten Weg zur Schule oder der Arbeit und die damit verbundenen Gefahren nicht auf sich nehmen müssen. An Frauen richten sich auch einige Projekte zur Berufsförderung, um ihnen Autonomie und Würde zu ermöglichen.
Die Gemeinden ausbilden
Das Engagement der Caritas Antoniana im Bereich der beruflichen Ausbildung und Förderung wurde auf Pfarrgemeinden und Vereine ausgeweitet, die aufgrund des Mangels an Strukturen und ausgebildetem Personal nicht in der Lage sind, Projekte ordentlich zu erarbeiten und bei den Behörden einzureichen, um nationale und internationale Fördergelder zu beantragen. „Viele Projekt-Verantwortliche sind Priester, Ordensschwestern oder Mitarbeiter, die in vergessenen und bitterarmen Gegenden leben und denen niemand glaubt oder das nötige Vertrauen entgegenbringt“, erklärt P. Valerio. „Die Mitarbeiterinnen der Caritas Antoniana haben auch die schwierige Aufgabe, diesen Menschen beizubringen, wie man ein Projekt ordnungsgemäß beantragt. Jedes Projekt wird von uns Schritt für Schritt begleitet, nach den einzelnen Bauphasen. Jede Phase wird mit einer Rate des Gesamtbudgets gefördert, und es müssen regelmäßige Zwischenberichte erstellt werden, die die Bauarbeiten dokumentieren. So können wir die Verwendung der zur Verfügung gestellten Gelder kontrollieren, und gleichzeitig sammeln die beteiligten Menschen die notwendige Erfahrung, um sich in der Zukunft selbständig auch an andere Hilfsorganisationen wenden zu können.“
Diese Vorgehensweise hat zwei Vorteile: Der erste ist, dass dadurch 99% der von der Caritas Antoniana geförderten Projekte erfolgreich abgeschlossen werden können. Und gleichzeitig werden so immer mehr Menschen vor Ort zu vertrauenswürdigen Referenten, wodurch auch der Wirkungsbereich der Caritas Antoniana ausgebaut werden kann. Im Zusammenhang mit diesem Coaching steht auch die Entscheidung, bei neuen Projektpartnern erst kleine Projekte zu fördern, wo das nötige Geld zuerst in der Endphase gegeben wird. Das führt dazu, dass der größte Anteil der insgesamt unterstützten Projekte Kleinstprojekte sind.
Und hier im Einzelnen die Hauptkostenpunkte im Jahr 2025: 53,62 Prozent der Fördergelder floss in insgesamt 40 Bauprojekte für das Gemeinwohl (sowohl Erweiterungsarbeiten als auch Neubauten), an zweiter Stelle steht der Kauf von Hilfsmitteln, vor allem für den medizinischen Bereich (30 Projekte und 16% der Ausgaben). An dritter Stelle kommen mit 19 Projekten und 12% der Gelder Renovierungsarbeiten. „Bauprojekte und Anfragen nach Hilfsmitteln zu gewähren, ist unsere individuelle Entscheidung, die oft nicht von anderen Hilfsorganisationen mitgetragen wird, weil daraus hohe Kosten entstehen. Die Caritas Antoniana versucht aufgrund ihrer privilegierten Beziehung zu den Ortskirchen und den ansässigen Ordensleuten den Gemeinschaften jene Mittel zu stellen, die zur Entwicklung notwendig sind, die die Gemeinden alleine aber selbst niemals realisieren könnten, wie zum Beispiel eine Arztpraxis, Klassenräume oder ein Ultraschallgerät für die Betreuung von Schwangeren.“
Das alles sind die Zutaten einer Solidarität, die sich auf das Kleine und das Konkrete konzentriert und versucht, nachhaltig zu sein, indem sie gemeinsam mit den Nutznießern erarbeitet wird: von Menschen für Menschen. Im Namen des hl. Antonius!