Liebe Leserinnen und Leser November 2026
Liebe Leserinnen und Leser!
Diese Zeilen schreibe ich Ihnen aus Mailand. Ich bin gerade mit Brüdern meiner Provinz und unserer Provinzkustodie Österreich-Schweiz zur Wallfahrt nach Assisi unterwegs – und für unsere deutsche Reisegruppe ist unser Konvent in Mailand eine Zwischenstation.
Meine erste Erinnerung an „Mailand“: nicht enden wollende Streitigkeiten bei „Stadt, Land, Fluss …“ – und die feste Überzeugung, dass Mailand doch schon allein wegen des Namens gar keine Stadt sein kann, sondern Punkte in der Länder-Spalte bringt. Wesentlicher meine Erinnerung an einen Besuch vor etlichen Jahren. Da habe ich von unserem Kloster bis heute lebendige Bilder vor Augen. Ich kam an einem Nachmittag an und es herrschte ein lebendiges Gewusel. Wenn ich es von Pfarreien aus Deutschland eher so kenne, dass morgens mal ein Krabbelkreis ist, nachmittags eine Seniorenrunde und abends noch ein Vortrag der Erwachsenenbildung – und da muss man schon sehr aktiv sein – dann war ich hier völlig überrumpelt von der Fülle an Aktivitäten, die zur gleichen Zeit angeboten wurden. Da hatten Kinder ihren Religionsunterricht, andere spielten auf einem Fußballplatz mit ihren Freunden, Frauen- und Müttergruppen waren zu sehen, an einer anderen Stelle wurde gerade frisch gestrichen und Glocken kündigten einen bald beginnenden Gottesdienst an: Der Ort strahlte eine wunderbare Lebendigkeit aus. Ich habe in den letzten Jahren oft daran zurückgedacht.
Wenn wir uns nun schon wieder im November befinden, dann glaube ich, dass solch lebendige Orte einem durch manch trübe Tage helfen können. Heruntergefallene Blätter, abgeerntete Felder, hartnäckige Nebelschwaden: All das kann einem ja durchaus auch mal aufs Gemüt schlagen. Für uns kommt hinzu, dass wir uns liturgisch im November an unsere Verstorbenen erinnern, und dabei wohl immer auch unsere eigene Sterblichkeit im Blick haben. Um da nicht in nur traurigen Gedanken zu versinken, scheint es mir wichtig, dass es immer wieder lebendige Orte und Begegnungen gibt, die einen ablenken, aufbauen und anstecken. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Ihnen solche Augenblicke geschenkt sind – und dass Sie die Augen gerade im November besonders offenhalten nach Orten, die Sie aufsuchen können, um Lebendigkeit zu atmen.
Herzlich grüßt Sie Ihr Br. Andreas