Liebe Freunde!

21. April 2005 | von

Tief bewegt haben wir gemeinsam mit allen Katholiken der Welt die letzten Tage des irdischen Weges Papst Johannes Pauls II. und seinen gelassenen Übergang ins Ewige Leben verfolgt. Vor allem wenn man sich an seinen Dienst am Volke Gottes in den Jahren erinnert, in denen er bereits von Krankheit und fortschreitendem körperlichen Verfall gezeichnet war, kommen einem spontan die Worte des Apostels Paulus in den Sinn. Als er spürte, dass die Zeit der letzten Reise Richtung Himmlische Heimat gekommen war, schrieb er in seinem zweiten Brief an seinen Schüler Timotheus: “Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt. Nun liegt für mich der Siegeskranz der Gerechtigkeit bereit” (4,7-8).
Dieser große Papst hat mit Mut und unermüdlicher Hingabe seinen Weg vollendet. Dabei achtete er nicht auf die Zeichen der Gebrechlichkeit und Krankheit, die sich immer stärker bemerkbar machten, um weiter seine Mission zu erfüllen, so lange es des Herren Wille war. Er hat nicht nur seinen Glauben bewahrt, sondern auch als Nachfolger Petri den Glauben des Volkes, das ihm vom Guten Hirten anvertraut worden war, vermehrt und verteidigt. Unter den zahlreichen Kritikern und Protestlern, die den Weg von Papst Wojtyla säumten, gab es auch solche, die ihm vorwarfen, sein Leiden zur Schau zu stellen, weil er nicht auf Reisen und Begegnungen mit Gläubigen verzichten wollte. Mir scheint gerade seine Liebe und Wertschätzung des Lebens in all seinen Phasen eine der wertvollsten Botschaften zu sein, die uns der Papst gegeben hat: Während gleichzeitig unsere Kultur dazu neigt, die Starken und Schönen vorzuführen, Krankheit und Tod aber, so gut es geht, zu verbergen; während wir uns mehr um unser Aussehen sorgen als um den Sinn unseres Lebens. Vermutlich werden gerade die Worte und Gesten des Papstes am prägendsten und unvergänglichsten sein, die er in seiner menschlichen Gerbrechlichkeit geäußert hat.
Johannes Paul II. starb, als die Liturgie des zweiten Sonntags der Osterzeit anbrach, den er der “Göttlichen Barmherzigkeit“ widmen wollte. Der auferstandene Christus, der seinen Jüngern die Wunden seiner Passion zeigt, enthüllt uns die Quelle dieses Geheimnisses, die barmherzige Liebe Gottes. Der Papst hatte die Bedeutung dieses Sonntags in seiner letzten Botschaft bekräftigt, die uns nun zum spirituellen Testament wird: “Der Menschheit, die bisweilen von der Macht des Bösen, von Egoismus und Angst verwirrt und dominiert scheint, schenkt der auferstandene Herr seine Liebe, die vergibt, versöhnt und die Seele mit neuer Hoffnung erfüllt. Es ist eine Liebe, die Herzen verwandelt und Frieden schenkt. Wie sehr hat es doch die Welt nötig, die Göttliche Barmherzigkeit zu verstehen und anzunehmen! Herr, mit Deinem Tod und Deiner Auferstehung offenbarst Du die Liebe des Vaters. Wir glauben an Dich und wiederholen heute vertrauensvoll: Jesus, ich vertraue auf Dich, erbarm Dich unser und der ganzen Welt.“
Und er hatte uns aufgefordert, dieses Geheimnis mit den Augen Mariens zu betrachten, um den wahren Sinn der österlichen Freude zu begreifen, die in der Liebe Gottes begründet ist. Im Marienmonat wollen wir dieser Einladung folgen. Aus der Basilika des heiligen Antonius sende ich Ihnen allen den franziskanischen Gruß “Pace e bene!“

Ihr

P. Sergio

 

Zuletzt aktualisiert: 06. Oktober 2016